Gesamtsieg in Niebüll und ein Streckenrekord

Vier Tage Zeit zum regenerieren- ganz schön knapp, dachte ich mir. Mein Dilemma: Ich wollte unbedingt in Niebüll den Streckenrekord erlaufen, der bis dato bei 35:49 min stand. Ich wollte jedoch auch bei der LM vier Tage davor teilnehmen, da es Pascals Saisonhighlight war und ich nicht nur am Rand stehen wollte. Ich bin es nach Mitte 2018 ehrlich gesagt leid, gefragt zu werden, warum ich denn nicht laufe. Die Konkurrenz hielt sich ja schließlich auch in Grenzen: Eine Olympiateilnehmerin war mit dabei, die aber laut eigener Aussage aufgrund ihres Sportstudiums nicht so gut drauf war und sich zeitweise in meinem Windschatten ausruhte. So war es natürlich für mich kein guter Rennverlauf, da die Herren, die ebenfalls in meinem Windschatten, auch keine großen Ambitionen hatten, mich dort vorne mal abzulösen. Ist schon traurig, wenn eine handvoll Männer sich in den Winschatten von Frauen hängen müssen, die halb so breit sind! Zum Glück gibt es auch andere Läufer, die die Sache ein wenig fairer angehen. Das war ärgerlich, dennoch und davon abgesehen: Ich hatte diesen inneren Konflikt, dass Niebüll gut werden sollte und ich besser nicht meine Körner schon in Kaltenkirchen verschießen sollte. Das hat sich wohl tief in mein Unterbewusstsein eingebrannt, so dass ich nicht an meine Leistungsgrenze kam. Hinzu kam natürlich auch, dass der Gegenwind ganz schön hart gewesen ist und ich überwiegend auf mich alleine gestellt war.

Wer mich kennt, weiß, dass ich keine Freundin von übertriebenen Wettkampf- und Trainingsorgien bin und so passten mir zwei Wettkämpfe hintereinander eigentlich gar nicht gut in den Plan. Kaltenkirchen lief von den Beinen fluffig, ich konnte mich gut regenerieren, da ich mit einem durchschnittlichen Puls von 153 nicht an meine Leistungsgrenze gekommen war. An diesem Tag wollte mein Körper nicht mehr mobiliseren (Stichpunkt Psyche!) und das war im Nachhinein auch gut so. Denn was 4 Tage später folgte, war dann umso schöner und bei dem Event in Niebüll viel mehr wert, als eine Landesmeisterschaft in Kaltenkirchen.

Start Niebüller Stadtlauf 2019
Start Niebüller Stadtlauf 2019

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen gelang mir etwas, was eigentlich unmöglich ist, wenn ich mit Pascal in einem Rennen starte: Ich konnte mir nicht nur den Streckenrekord holen, sondern auch den Gesamtsieg. Auf der Zielgraden blieb er plötzlich stehen und ich rief ihm noch nach hinten zu "du kannst dich doch nicht immer drücken!!" . Nein, im Ernst: Das habe ich natürlich ihm zu verdanken, da er mich den Lauf über begleitet hat und mir auf der Zielgeraden dann den Vortritt ließ. Danke! Noch nie sind Nummer eins und zwei eines Rennens so glückselig hintereinander her gerannt.  Dieser Lauf war nicht nur deswegen etwas besonderes, da wir gemeinsam laufen konnten und beide den Sieg geholt haben, sondern auch, weil wir uns genau vor 6 Jahren dort zum ersten Mal begegnet sind. Im Niebüller Schwimmbad kreuzten sich unsere Wege und wir kamen ins Gespräch, obwohl wir ja lustigerweise damals sogar gemeinsam an der Startlinie standen. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich in 6 Jahren knapp vier Minuten schneller sein werde, den Gesamtsieg hole und Pascal beim Rennen "abzocke" hätte ich es wohl nicht geglaubt!

Start Niebüller Stadtlauf 2013
Start Niebüller Stadtlauf 2013

Mit einer Zeit von 35:20 min bin ich voll und ganz zufrieden, vor allem, weil es heute mal schön war nicht 10 km alleine gegen den Wind rennen zu müssen. Ich habe zwar hier und da auch einiges an Wind abbekommen, aber im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit meiner Leistung. Seit ich auch im Berufsleben angekommen bin, muss ich sagen, dass es nicht immer leicht ist sein Training gut und sinnvoll zu gestalten. Oftmals habe ich vom vielen Autofahren müde Beine und laufe dann ruhige 8-10 km im 4:20er Schnitt. Dass ich damit mein Niveau noch so halten kann, freut mich insbesondere deshalb, weil es mir zeigt, dass übertriebenes Training eh sinnlos ist, wenn man nicht die richtigen Trainingsstrukturen und Gesetzmäßigkeiten beachtet. Das bedeutet für mich, dass ich mir nach harten Einheiten komplette Regenerationstage gönne, um den optimalen Anpassungseffekt zu erreichen. Das machen Pascal und ich nun schon seit 2013 so und wie es scheint, fruchtet das ganz gut. Auf weitere 6 Jahre!