Warum es sich lohnt hinter die Kulissen zu schauen

Als ich 20 Jahre alt war habe ich die Gesundheit meines Körpers aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Sport ist gut, mehr Sport ist besser. Morgens 1 Stunde mit dem Hund spazieren, danach aufs Fahrrad und 10 h kellnern und anschließend eine gemütliche 16km Runde laufen, um dann mit dem Fahrrad wieder nach Hause zu fahren- gar kein Problem. Denn allgemein heißt es ja immer wieder: wer pausiert ist faul und willensschwach. Das dies immer noch der allgemeine Kanon in sozialen Netzwerken ist, ärgert mich, denn man sollte es eigentlich so viel besser wissen. Mit zunehmenden Jahren wird man allerdings reflektierter und ich bin dankbar für die wertvollen Inspirationen, die mich hin und wieder im Alltag in den Bann ziehen (auch danke an Katharina aus meinem Yoga Studio für die vielen tollen Denkanstöße vor der Stunde!) und mein Verständnis von Sport und Leistungssport in neue Dimensionen heben. Natürlich habe ich ein abgeschlossenes Sport, Ernährungs- und Gesundheitsstudium (meine Abschlussarbeit war zum Thema "orale Kontrazeption im Laufsport"), was schon einschließt, dass ich mich mit den Thematiken ein bisschen intensiver auseinandersetze, aber das Meiste lernt man in der "Praxis" und dort lernt man nie aus, und zwar sehr theoretisch und praktisch durch Gespräche, Beobachtungen und Selbstversuche. Jedoch muss ich sagen, habe ich noch nie das Thema "Mensch" so anschaulich und nah erlebt wie in den "Body Worlds". Bereits zum dritten Mal war ich dort, 2014 in Hamburg, 2015 in Berlin und nun auch in London. Als ich 2006 meine Verwandten in Houston besuchte kam ich zum ersten Mal mit der Ausstellung in Berührung, jedoch fühlte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit dazu mir leblose Körper in allen Formen und Ausprägungen  anzuschauen.

Das Schöne ist: Man verändert sich, entwickelt sich weiter und jedes Mal ergeben sich dadurch neue Schlussfolgerungen, Erkenntnisse und Aha-Momente, die man eigentlich nicht in Worte fassen kann. An der Austellung hat sich nicht viel verändert mit den Jahren, aber was sich geändert hat, ist man selbst, die Betrachtungsweise und die Art und Weise mit den Eindrücken zu copen.  In den Body Worlds werden echte Menschen plastiniert ausgestellt und aus verschiedenen Perspektiven der Medizin betrachtet. Sei es nun das Sportlerherz, die Raucherlunge, das Gefäßsystem, die Wirbelsäule. das Nervensystem oder auch Herzkrankheiten  und Krebs bis hin zu einer hochschwangeren Frau. 

 

Wir haben nur dieses eine Leben

Ja, das ist tatsächlich dieses Gefühl mit dem man aus der Ausstellung kommt. Man sollte gut mit seinem Körper umgehen. Eines ist klar: Rauchen und eine schlechte Ernährung sind bei mir nie ein Thema oder eine Motivation, weshalb ich mich weiter optimieren  wollte. Viel mehr geht es doch darum, dass man die Einsicht erlangt, dass auch zu viel von allem- egal ob es nun das Rauchen oder der extensive Leistungssport (in welcher Sportart auch immer) ein Schritt in die falsche Richtung ist und somit auch der unaufhörliche Hype im Internet alles höher, schneller und weiter betreiben zu müssen aufeinmal als Gedanke ziemlich lächerlich wird. Die Dinge sind nunmal viel größer. Der Mensch hat unausweichlich Strukturen, die zwar viel kompensieren können und auch von einem gewissen Maß an Bewegung leben, aber im Gegenzug auch verschleißen können. Wer sich seine Hüfte oder das Knie (im schlimmsten Fall aus seinem unreflektierten Zerstörungswahn in der Jugend) zerstört, der muss quasi sein Leben damit leben- und eine Prothese ist wirklich nicht das, was man in seinem Körper verbaut haben möchte oder erstrebenswert wäre (ich habs gesehen, es sieht skurill aus). Leider lebt der Mensch aber so, wie wenn sich alles ersetzen lässt. Ob es nun der ungesunde Lebenstil basierend auf einer schlechten Ernährung und Bewegungsarmut sei oder durch unreflektiertes Sporttreiben- auch hier zeigen sich Muster einer "Wegwerf-Gesellschaft", die man auch in anderen Bereichen finden kann. Die Medizin arbeitet weiter daran Möglichkeiten aufzubereiten, um Menschen zu helfen. Das ist eine super Geschichte, es gibt ja auch medizinische Notfälle, bei denen sowas wirklich bitter notwendig ist und wirklich hilft . Aber als selbstgemachtes Problem? Nein danke!

 

Ernährung ist wirklich, wirklich wichtig: INSBESONDERE für Sportler!

Immer wieder höre ich von Sportlern, sie können alles essen, Schokolade, zuckerhaltige Sportgetränke, Nudeln und Brot ohne Ende- man würde ja alles eh wieder verbrennen. Das ist total richtig, wenn man es aus dem Blickwinkel betrachtet, dass es hier um eine Gewichtszunahme geht. Aus allen anderen Richtungen betrachtet ist meine Meinung ganz klar: Falsch. Ebenso falsch ist das andere Extrem, Kalorien einsparen zu müssen, um das ideale Gewicht zu haben. Jemand, der sich optimal, nährstoffreich und ausgewogen ernährt wird sich automatisch auf eine Art Idealgewicht einpendeln, das dann (je nach Zyklusphase bei der Frau bei nichteinnahme oraler Kontrazepiva) auch natürlichen Schwankungen unterliegt.  Ganz ehrlich, kein (Leistungs)Läufer muss Diät machen und wenn ja, dann steckt da meistens noch ein tiefgründigereres Problem dahinter. Die Ernährung und die Sichtweise darauf  ist  auch hier wieder eine Frage der Perspektive. Gerade Leistungssportler und Freizeitsportler belasten ihren Körper meistens bis ins Maximum und füttern ihren Körper mit Industriemüll, also mit Null Mehrwert für den Körper. Was der Körper aber eigentlich bräuchte sind hochwertige Eiweiße, gute Fette (für ein ausbalanciertes Hormonsystem, insbesondere bei der Triade der Frau!) und vor allem ein reichhaltiges Angebot an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen.

 

Was der Körper stattdessen aber zugeführt bekommt (Zucker, Weißmehl, Milchprodukte, billiges Fleisch aus Massentierhaltung) führt zu einer Übersäuerung im Körper und wertvolles Kalzium wird aus den Knochen herausgespült- eigentlich die beste Grundlage für Ermüdungsbrüche und einen tiefgreifenden Nährstoffmangel.  Die Krux bei der Sache ist aber, dass ein Nährstoffmangel in vielen Fällen erstmal unerkannt bleibt, weil der Leistungseinbruch oder Symptome sich erst viel später bemerkbar machen. 2017 lief ich mit einem Ferritinwert von unter 10 Mikrogramm/l durch die Gegend- mein Anliegen wurde jedoch leider von den Ärtzen nicht ernst genommen, weil es immer hieß: "Wieso, sie sind doch immer noch fit und laufen hier täglich freudig durch die Gegend". Ich hatte aber im Training immer mit schweren Beinen zu kämpfen, Muskelkater und dem Gefühl, dass ich verspannt bin. Im Vergleich zu einem inaktiven Menschen ist ein Sportler natürlich immer noch super fit- mit der falschen Einschätzung wollte ich mich aber nicht zufrieden geben. Nachdem ich meinen Eisenwert wieder in den Normalbereich bringen konnte waren die Symptome sofort verschwunden und es lief wieder.

 

Viele Läufer haben aus Gründen, die heutzutage eher ein veraltetes Wissen wiederspiegeln, Angst vor Fetten und Angst vor dem Zunehmen. Fett macht fett- ein Trugschluss. Als Konsequenz wird die Ernährung auf ein ungünstiges Kohlenhydrate-Fett-Eiweiß Verhältnis gehoben.  Ich persönlich habe einen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fette und mittelkettigen Fettsäuren in meiner Ernährung, da ich jeden Tag 200g Mandeln esse (in Form von Mandelmus) und reichlich Kokosprodukte (z.B. in Form von Kokosmilch) konsumiere. Außerdem esse ich sehr gerne Eier, auch mal rotes Fleisch, Avocados. Ich habe das Glück, dass ich aus der Praxis sagen kann, dass ich bisher in meiner gesamten "Sportlerkarriere" von hormonellen Problemen verschont geblieben bin. Mir ist auch bewusst, dass es Läuferinnen und Trainer gibt, die das Ausbleiben der Regel als Glücksfall wahrnehmen- keine Leistungseinbrüche mehr, keine nervigen Schwankungen  und kein PMS. Die Einstellung ist aber grenzwertig fahrlässig, weil die Langzeitfolgen einfach unschön sind. Ich zumindest hätte keine Lust, dass mir beim seitlichen Wegknicken gleich der Fuß bricht.

 

Ich finde ich es absolut verwerflich, wenn z.B. erfolgreiche Sportler in der Fernsehwerbung für eine bekannte Nuss-Nougat-Creme zu sehen sind. Kinder nehmen sich sowas zum Vorbild und schlussfolgern schnell, dass diese ja gut für die sportliche Leistung ist oder zumindest nicht schlecht sein kann. In den Body Worlds sieht man in sein Innerstes hinein und man wird schnell merken, dass auch hier ein komplexes Zusammenspiel stattfindet. Der Körper hätte es verdient für die Leistungen, die er tagtäglich vollbringen muss, das Maximum an Nährstoffen aufsaugen zu können, so dass das Skelett- und Muskelsystem gestärkt wird. Dass ich zusätzlich noch mit Nahrungsergänzungsmittel von Pharma Nord arbeite bleibt an dieser Stelle eine Randnotiz. Ich kann von Glück sagen, dass ich noch nie in meinem Leben mit Brüchen oder anderen ernsthaften Verletzungen zu tun hatte. Dies führe ich auch auf meine nährstoffreiche Ernährung und auf die gezielte Ergänzung (Magnesium, Zink, Q10, Vitamin D, K2, Omega 3, Selen) hin. Letztendlich kann ein Auto auch nur fahren, wenn man es mit dem richtigen Treibstoff "füttert", so ist das bei uns Menschen auch, ansonsten geht irgendwann der Ofen aus. Punkt.  Wer dieses Potenzial nicht erkennt, der hat einfach einen sehr relevanten Punkt weggelassen oder nicht bedacht. Ich bin der Meinung, dass optimale Ernährung Trainingsreize ideal verarbeiten lässt und dadurch mit weniger Trainingsaufwand mehr Leistung möglich ist.

Einen schönen Ansatz zum Thema Ernährung im Sport veröffentlichte übrigens Dr. Feil, das Buch kann ich wirklich jedem ans Herz legen und ich würde seine Aussagen darin zu 99,9% unterschreiben ("Die Feil-Strategie").

 

Ich gebe jedoch zu, dass die heutigen Ernährungsfakten zum Teil irreführend sind und manchmal widersprüchlich. Es lohnt sich aber dem Körper zu Liebe seine Energie in Ernährung zu stecken und dafür mal die eine oder andere Einheit zu streichen. Der Körper wird es euch danken!