Die unschönen Seiten des Leistungssports

...sind Verletzungen, Rückschläge und das zwanghafte Streben nach Anerkennung. Oder auch auch einen Sieg erzwingen zu müssen, um ein mangelndes Selbstwertgefühl dadurch zumindest zeitweise kompensieren zu können.  Das bedeutet nicht loslasssen zu können, nicht entspannen zu können, bis man letztendlich daran zerbricht.

Schade, dass solche Beispiele immer mal wieder im Sport auftauchen und den Laufsport einen negativen Stempel aufdrücken. Denn eigentlich ist Laufen ja eine Individualsportart- aber betrachtet man die Dinge im Großen und Ganzen rückt die Wichtigkeit von bestimmten  Charakterzügen in den Fokus, die man benötigt, um im Leistungssport als Persönlichkeit agieren zu können.

Ich habe auf diesen Circus keine Lust und kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn mich die Nachricht erreicht, dass wilde Gerüchte auf Volksläufen über mich durch einen Läufer aus Kiel verbreitet werden. Ich laufe nur, wenn ich gewinnen kann, wenn ich gut im Training bin und scheue mich davor, mich generell in SH an die Starlinie zu stellen, wenn seine zukünftige Frau  an den Start geht. Lächerlicher wird's nimmer. Scheint ja ein echtes Lebensereignis für ihn zu sein, mich mal beim Laufen gegen seine Frau verlieren zu sehen.

Ich selber hätte mich da gar nicht so wichtig genommen, es gibt schon viele Leute gegen die ich mal verloren habe, zuletzt gegen Kathi, Fabienne, Svenja... ach, ich habe schon aufgehört zu zählen, weil es am Ende des Tages dann doch nur eine kleine Nuance im Alltag ist und es unterm Strich auch überhaupt gar nicht drauf ankommt, wer wie wann und wo jemanden im sportlichen Wettkampf besiegt hat. Ich habe es echt unter Sportlern noch nicht erlebt, dass man sich so verbissen in etwas hereinsteigern kann und man so unbedingt die Konfrontation sucht.

 

Was Sport übergreifend vermitteln sollte sind Komponenten wie Zusammenhalt, Teamgeist, Fairplay, Aufbau eines gesunden (!) Selbstbewusstseins, aber auch das Gönnen von Erfolgen- denn Leistungssport ist doch viel mehr als eine bloße Machtdemonstration oder krampfhaft einen Sieg heraufbeschwören wollen, nur weil's gerade das Ego so toll schmeichelt.

Ich habe bisher insbesondere in Schleswig Holstein soviele postive Beispiele für sportliche Größe kennenlernen dürfen und nehme dies gerne mal zum Anlass tolle Sportlerpersönlichkeiten herauszustellen, die mich in meiner Entwicklung geprägt haben:

 

LAUFEN VERBINDET

Mein erstes und im Grunde einziges sportliches Vorbild ist und bleibt Karen Paysen. Sie ist einfach über Jahrzehnte hinweg sportlich souverän unterwegs gewesen, das ist eine Leistung! Denn das Leben ist so viel mehr als "nur" Sport, und wenn der sportliche Erfolgt wegbleibt, was würde einem denn sonst noch bleiben, wenn dies die einzige Bestätigung im Leben ist? Genau.

Karen ist ein Paradebeispiel dafür, wie man alles unter einen Hut bekommt: Familie, Job, Sport. Und seien wir mal ehrlich: Das ist die wahre Challenge! Als ich mit dem Laufen anfing, hat sie mich toll in die Sportler Community mitaufgenommen, und hat mir auch das eine oder andere Mal wertvolle Tipps gegeben. Danke! Auch Trixi Trapp gehört in diese Kategorie Frau, sie ist Sportlehrerin und es ist auch mir als angehende Sportlehrerin ein Anliegen die Schüler in die richtigen Bahnen zu lenken, das geht aber nur, wenn man selbst ein gutes Vorbild ist, alles andere wäre doch unauthentisch.

Laufen verbindet: Die schönen Seiten des Sports! Alle Bilder stammen von Oliver Farys.

Isabell Teegen steht für mich für Erfolg und gleichzeitige absolute Bodenständigkeit. Ich bewundere sie sehr für ihre Souveränität und positive Ausstrahlung, auch wenn das Sportlerleben einen mal Steine in den Weg legt konzentriert sie sich dann eben mal eine Zeit lang auf andere Dinge in ihrem Leben, die sie ebenso mit Erfolg betreibt.

 

Victoria Brandt hat mir gezeigt, wie man mal einen misslungenen Lauf mit Humor weglächeln kann ("Mein Manager hat mit mir heute 2,50€ verdient! Hat sich für ihn ja voll gelohnt!") und "haut beim nächsten Lauf mal wieder komplett einen raus", wenn sie auf einmal wieder den Turbo zündet. Immer mit guter Laune im Gepäck. 

 

Sandra Morchner, bei der mir einfach nur "wow" einfällt und der ich jeden Erfolg von Herzen gönne. Ich glaube nicht, dass ich die W45 nur annähernd rocken werde wie sie und verfolge mit großer Anerkennung ihren weiteren sportlichen Werdegang!

 

Um es einmal auf den Punkt zu bringen: Ich bin doch erstaunt darüber, wie bodenständig auch die meisten deutschen Spitzenathleten sind; aber meistens sind die, die es sich am ehesten erlauben könnten, die die es nicht nötig haben. Hierzu zählen Laura Hottenrott, Fabienne Amrhein, Denise Krebs, Katharina Heinig... allesamt positive Vorbilder und Charaktere im Spitzensport! Es ist immer wieder cool auf größeren deutschen Straßenläufen diese Menschen zu treffen. Genauso lassen sich diese Charaktere auch bei den männlichen Sportlern finden, insbesondere bei Läufer wie Phillipp Pflieger, Karsten Maier, Fabian Gehring, Phillipp Baar, um mal ein paar Namen zu nennen.

 

Im grunde entstehen Gerüchte durch Personen,  weil diese sich irgendwo stark profilieren müssen, dennoch kann ich immer wieder nur betonen: Wer etwas über mich als Person wissen will, kann mich gerne anschreiben/ ansprechen, wie auch immer. Ich bin offen und kommunikativ, beiße nicht und gebe dann auch meistens Auskunft über meine Saisonplanung (es gibt jedoch Dinge, die ich auch spontan plane).

Es kann nicht unserer persönlicher Ansporn sein von Laufevent zu Laufevent zu hoppen, nur um sich jedes Mal das kleinste bisschen Anerkennung abzuholen oder sich - und das ist ja fast noch schlimmer- gar körperlich ins Abseits zu trainieren. Pascal und ich haben viele Jahre einige Laufveranstaltungen mitgemacht, werden aber auch mit den Jahren ruhiger, reflektierter und gönnen uns auch gerne freie Wochenenden, um uns um andere Dinge im Leben zu kümmern. Abschalten zu können ist eben eine Kunst, die wir auch erst mit den Jahren gerlernt haben und Dinge aus einer falschen Motivation heraus zu betreiben wäre fatal.  Somit lassen wir uns auch nicht von irgendwelchen Leuten zu irgendwelchen Läufen nötigen, die uns nicht in unsere Lauf- und Alltagsplanung passen.

Wo wir laufen ist kein Geheimnis, da wir jedes Jahr ungefähr die selben Läufe favourisieren. Um die Frage des Läufers zu klären: Nein, ich werde dieses Jahr nicht bei der Landesmeischaft im Halbmarathon an den Start gehen. Eine Woche später wird mein Saisonhighlight anstehen und dann folgen im Oktober 2 Wochen Saisonpause.

Und zur Abrundung des Textes hier noch ein persönlicher Tipp an den "Anhang" der Läuferin: Mal bei größeren Straßenläufen mit Konkurrenz am Start zu stehen kann einem ganz neue Facetten des Sports aufzeigen und trägt zumindestens ein Stück weit zur  Charakterbildung bei:  Was das ist kann man sich ja mal beim exzessiven Laufen überlegen oder man unterhalte sich mit den oben genannten Persönlichkeiten (Stichwort Kommunikation!).