Fünf Jahre später

Als ich 2012 dazu bewegt wurde mal an einem Wettkampf teilzunehmen, hätte ich nie gedacht, dass ich jemals in die deutsche Bestenliste des Leichtathletikverbandes schaffen würde. Vor kurzem wurde die erste vorläufige Version des Jahres veröffentlicht, was mich dazu angeregt hat, die letzten 5 Jahre meiner sportlichen Laufbahn zu reflektieren.

Eigentlich bin ich gelaufen, um mich zu bewegen, da ich gerne viel Zeit an der frischen Luft verbringe und einen hohen Bewegungsdrang verspüre. Durch meinen Hund bin ich es praktisch seit 15 Jahren gewohnt bei Wind und Wetter lange draußen zu sein, warum also nicht laufen? Damals wäre ich nie auf die Idee gekommen einen Wettkampf mitzumachen, wenngleich ich wohl nie richtig langsam lief. Mein Papa hat mich bisweilen auch immer erfolgreich davon abgehalten, da er wollte, dass ich mir laufen als Ausgleich bewahre und nicht als "Stressfaktor". 2012 führten dann verschiedenste Umstände dazu, dass ich am Fördeland Thermen Lauf in Glücksburg teilnahm. 2013 habe ich zum ersten Mal angefangen etwas planmäßiger zu traineren und mir Gedanken um Trainingsteuerung zu machen. Als mir die DLV Bestenliste das erste Mal untergekommen ist, dachte ich mir, dass ich es nie und nimmer schaffen werde in dieser Liste zu stehen. Zu groß war doch die Differenz von meinen Bestzeiten (10 km 38:18, HM 1:26 h) und den Minimalzeiten, um in diese Liste hereinzukommen (10 km ~35:59, HM ~1:21h).

 

Nun sind mitterweile 5 Jahre vergangen und die Gründe, warum ich laufe, sind im Grunde noch dieselben.

 

Motivation #1

Im Prinzip habe ich zwei Motivationen, die mich antreiben. Nach wie vor an erster Stelle liebe ich das Laufen, so dass es keinen Unterschied macht, ob ich nun schnell bin oder langsam durch die Gegend kreuche. Es ist immer eine Wohltat, man fühlt sich danach erfrischter, sauerstoffdurchflutet und einfach gut. Natürlich fühlt man sich anders, wenn man Tempo gemacht hat, als wenn man einen langsamen Dauerlauf gelaufen ist, aber das spielt an dieser Stelle keine Rolle. Ich würde nach wie vor laufen gehen, auch wenn ich nicht schnell wäre und keinen Leistungsgedanken hätte. Ich glaube diesen Punkt können viele Läufer nachvollziehen.

Motivation #2

Ja, wenn ich schon Wettkämpfe laufe und einen gewissen Antrieb im Training habe, dann ist es unheimlich motivierend auch in der deutschen Bestenliste aufzutauchen. In der deutschen Bestenliste werden am Ende des Jahres die 50 besten Leichtathleten gelistet, in der vorläufigen Version muss man bestimmte Zeiten gerannt sein, um dort aufzutauchen. Jeder, der das abtut mit "achso, ne, hab ich gar nicht gesehen, dass ich dort drin bin..." dem glaube ich nicht. Gewisss gibt es im Leben wichtigere Dinge und das Ganze hat auch einen Abnutzungseffekt und rückt irgendwann in den Hintergrund, wenn man seit Jahren dort auftaucht, aber eine Extraportion Motivation bringt es doch auf jeden Fall mit sich.

Ich habe außerdem überlegt, was ein erfolgreiches Training auf lange Sicht ausmacht und habe mal meine wichtigsten Trainingsphilosophien aufgelistet:

1. Langfristigkeit

Den wichtigsten Tipp, den ich geben kann ist, das Training auf langfristige Erfolge aufzubauen. Viele sind zu ungeduldig oder trainieren ihren Körper aus einer Laune heraus kaputt. Die Quittung kriegt man erst später dafür. Ich persönlich halte nicht viel von übertriebenen Trainingsumfängen, sondern lege mehr Wert auf Qualität und Intensität. Meine Trainingsumfänge variieren zwischen 60-90km. Ich würde auch keinem empfehlen schon mit 20 Jahren Marathon zu laufen, viel besser ist es doch in jungen Jahren seine Schnelligkeit zu entwickeln, Marathon kann man immer noch laufen wenn man Ende 20 oder Anfang 30 ist. In Otterndorf traf ich den Opa einer vor 5 Jahren bekannten und erfolgreichen jungen Läuferin, deren Namen ich an dieser Stelle nicht nennen möchte, da es im Prinzip nichts zur Sache tut, um wen es sich handelt. Er erzählte mir, dass seine Enkelin mit 20,21,22 Jahren das Training maßlos übertrieben hätte, zu hohe Umfänge für Marathon trainiert hatte und letztendlich irgendwann nicht mehr an ihre Zeiten anschließen konnte. Sie ist mal zwei gute Marathons gelaufen und danach hat man nichts mehr von ihr gehört, was wirklich schade ist.

 

Ich persönlich habe 2014 meinen Trainingsumfang zu schnell gesteigert und habe damit wenig Erfolg gehabt: Ich habe mich kaum verbessert, weil mein Körper sich nie von den Trainingeinheiten erholen konnte und immer nur versucht hat das viele Training zu kompensieren. Besser wurde ich erst, als ich nach Monaten mal eine Saisonpause von 2 Wochen eingelegt habe. Danach habe ich mein Training wieder selbst in die Hand genommen und auf einmal wurde ich schneller. Wer also langfristig beim Laufen Erfolg haben will, braucht Geduld, auf biegen und brechen erzielt man sehr erfolgreich kurzfristige Erfolge- die miteinhergehende Verletzung bekommt man aber gratis obendrauf!

 

2. Trainingspartner

Mit einem Trainingspartner zu trainieren bringt nicht nur unheimlich viel Spaß, sondern kann auch ungeahnte Kräfte freisetzen! Wenn ich mit Pascal trainiere, dann kann ich gewissermaßen im Training schon sehr gut "überziehen". Das heißt, dass meine Tempoeinheiten schneller werden, als ich sie alleine machen könnte. Das zieht natürlich mit sich, dass ich langfristig für mein Training Entlastungsphasen mit einplanen muss. Es gibt in meinen Augen keine effektivere Variante als im Training mal völlig an seine Geschwindigkeitzsgrenze zu kommen (hallo, Laktat!) und dann am nächsten Tag einen Regenerationstag einzulegen. 2-3 Tage später läuft dann das Training bei mir richtig fluffig! So eine hohe Effektivität im Training erlangt man natürlich nur, wenn man einen Trainingspartner hat der a) deutlich schneller ist als man selbst und b) auch die Bereitschaft aufbringt zu pausieren. Jemanden, der jeden Tag laufen will, dem würde ich ein "überziehen" nicht empfehlen, weil es sehr schnell zu Verletzungen führen kann.

Ebenso effektiv kann es sein, einen Trainingspartner haben, der deutlich langsamer ist als man selbst. Mir persönlich fällt es schwer im Training langsamer als 4:25 pro Kilometer zu laufen, jedoch hilft es mir in Phasen in denen ich mehr Kilometer laufen möchte, einen langsamen Trainingpartner als "natürliche Bremse" zu haben, dann geht das langsame Laufen nämlich wie von selbst!

 

3.Mit Köpfchen trainieren und auf den Körper hören

Das heißt für mich: Von Tag zu Tag planen, aber vorausschauend denken. Ich halte mittlerweile nicht mehr viel von Trainingplänen, sondern meistens entscheidet mein Gefühl, welche Laufeinheit meinem Körper heute guttun würde. Es ist schon passiert, dass ich an einem Tag, an dem ich nur einen ruhigen Dauerlauf geplant habe, eine sehr gute Tempoeinheit bei herausgesprungen ist, weil meine Tagesform einfach super war. Warum das nicht nutzen? Genauso kann es auch andersherum sein, dass man etwas schnelles machen will, der Körper aber einfach nicht mitspielt. Dann quäle ich mich auch ganz sicher nicht durch so eine Einheit durch. Ich trainiere auch grundsätzlich nicht bei Krankheit; Wettkämpfe laufe ich dann auf gar keinen Fall.

 

4. Das Laufen nicht überbewerten

Viele Leute stressen sich viel zu sehr mit ihrem Trainingsplan, dadurch werden unendlich viele Freiheiten genommen. Wenn ich im Urlaub bin, dann habe ich keine Lust mich auf die Suche nach einer geeigenten Laufbahn in der Umgebung zu machen nur, weil auf meinem Plan eine Bahneinheit steht. Irgendeinen Pfad, der sich für Tempoeinheiten anbietet, lässt sich immer finden. Desweiteren ist es kein Weltuntergang, wenn man mal an einem Tag eine Laufeinheit komplett ausfallen lassen muss, weil es zeitlich nicht in den Plan passt. Wer langfrsitig denkt, weiß sowieso, dass ein Regenerationstag auch mal gut sein kann um das komplette Skelett- und Muskelsystem zu entlasten.

Das Schöne ist, wenn man die Dinge mal etwas entspannter sieht, hat man auch mehr Möglichkeiten sich mit anderen Leuten zum Laufen zu verabreden, auch wenn diese viel langsamer sind und es doch eigentlich nicht in den Plan passt. Desweiteren muss man auch nicht meinen, dass man Tempoeinheiten nachholen muss, wenn es mal nicht so lief, den meistens ist dies ein Zeichen dafür, dass der Körper sowieso gerade damit beschäftigt ist sich von den vorangegangenden Einheiten zu erholen.

 

5. Den Spaß bei der Sache behalten

Meine besten Zeiten bin ich meistens gelaufen, wenn ich nicht viel erwartet habe. Beim Laufen neige ich ab und zu dazu, mich selbst zu überraschen, was Bestzeiten angeht. Jedoch bin ich auch schon manchmal unfassbar schlecht gelaufen, wenn ich mir selbst zu viel Druck gemacht habe! Mein persönliches Fazit ist also: Bestzeiten kann man nur bedingt planen, man kann zwar das Training darauf auslegen, aber wenn man nun mal sehr schlechte Rahmenbedingungen am Wettkampftag hat, dann kann man noch so gut vorbereitet sein, das Wetter macht einen Strich durch die Rechnung (Stichwort: Boston Marathon 2018!).

Bei manchen Leuten frage ich mich, ob sie wirklich noch laufen, weil es ihnen Spaß bringt oder ob sie nur verbissen irgendwelchen Zeiten hinterherjagen (und damit auch jegliche Formen von Verletzungen in Kauf nehmen). Es gibt Tage, da ziehe ich meine Uhr aus, gehe laufen und erfreue mich daran, dass die Natur endlich wieder anfängt in voller Pracht zu stehen, als irgendwelche tollen Schnitte bei Instagram hochzuladen.