Es schneit.

Drelsdorf, Sonntag, 4. Februar, 9:00h- es schneit. Startnummer abholen, Sachen in der Sporthalle ablegen, kurz quatschen- es schneit. 9:25 h, noch 35 Minuten bis zum Start es wird Zeit zum Einlaufen- es war nicht angesagt, aber- es schneit. Das Einlaufen ist überschattet von Gedanken, dass es heute schwierig werden könnte. Streckencheck. Es liegt ab Kilometer 1 Schneematsch. Es ist rutschig und wir haben Gegenwind. Es schneit noch immer. Ich kann kaum sehen, als der Wind mir die Schneeflocken gegen das Gesicht pustet. 9:45 h, es wird Zeit sich in die Wettkampfmontur zu schlüpfen, ein Blick nach außen zum Himmel empor- es schneit, sogar wie verrückt. Und nun?

Langsam höre ich die ersten Leute um mich herum sagen, dass heute kein Wetter für schnelle Zeiten sein würde. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Ich habe mich die letzten 2 Wochen auf diesen Lauf vor- allem mental- vorbereitet und ich bin hier heute nicht hergekommen um einen Tempodauerlauf zu machen. Punkt. Jetzt aufzugeben wegen Schnee wäre mehr als enttäuschend und irgendwas ist ja bekanntlich immer. Ich mag den Winter und Schnee macht mir nichts aus. Irgendwas muss man sich ja einreden. Sowas ist mir lieber als jeder schwül-warme 25 Grad Tag im Sommer.

9:55 h, es sind noch genau 5 Minuten bis zum Start. Raus aus der Halle und ab ins Schneegestöber. Es dauert keine 5 Minuten  ehe die Schneeflocken sich in Schneegriesel verdünnisieren. Freude. 10h- der Startschuss fällt. Der Prolog ist gut zu laufen, die Strecke ist frei. Bekanntlich kommt Hochmut ja vor dem Fall. Das Bergabstück bei Kilometer 1-3 ist zugeschneit und rutschig. Der Gegenwind ist hart. Pascal ist bei mir und tut sein Bestes mir den Gegenwind zu nehmen. Hinter mir hat sich ebenfalls ein Mann in meinen Windschatten geworfen. Nach 4 Kilometern fühle ich mich bereits nicht mehr frisch. Vielleicht habe ich mir für heute eine Nummer zu viel vorgenommen. Immer diese bösen Gedanken. Nein, heute ist mein Tag und ich liebe Schnee. Sage ich mir immer und immer wieder.

Die zweite Runde bricht an. Zwei von vier. Der Schneematsch auf der Strecke ist abgetaut, die Strecke wird zunehmend besser laufbar. Wenn nicht jetzt, wann dann? Pascal findet immer wieder motivierende Worte. Am Ende der Runde macht er einen kleinen Antritt- zu schnell. Jetzt am Berg zu pushen nach 11 Kilometern wäre fatal. In der Ruhe liegt die Kraft. Wir passierten die 10 Kilometer nach 36 Minuten. Voll im Plan. Jetzt bin ich schon so weit gekommen, nun ziehe ich auch durch. Ich will den Streckenrekord. Mindestens. Mein Ziel Sub77 Minuten zu laufen, habe ich erstmal nicht so weit herumposaunt.

10:54 h- wir passieren die 15 km Marke. Jetzt nur noch eine Runde. "Genieße es, die nächsten 7 Tage wirst du gar nicht laufen dürfen", sagt mir Pascal.  Ja, verdammt. "Stelle dir mal vor, ..." Moment mal, wir haben einen Mitläufer und ich kann mir gerade gar nichts mehr vorstellen! Netter Versuch :-)

Ich schaue auf die Uhr. 19 Kilometer, das Ziel rückt näher. Ich beginne zu rechnen. Ja, wir sind gut im Kurs. Mein Bauch beginnt sich zu verkrampfen. Zähne zusammenbeißen.

11:16 h und 25 Sekunden. Ich bin Im Ziel.  Abgekämpft und total erschöpft durch den Gegenwind, aber ich habe es geschafft. Pascal hat einen hervorragenden Job gemacht. Intuitiv. Später wird er mir gestehen, dass er vergessen hatte, welchen Schnitt er für mich laufen sollte. Gut, wenn man sich auch ohne Worte versteht. "Ich habe mich nur davor geschmissen, laufen musstest du das alleine".


Meine Trainingspartnerin und Nachbarin Ute lief ebenfalls zu einer neuen Bestzeit in 1:24h und Pascal konnte trotz Tempomachertätigkeiten immer noch den ersten Platz der Gesamtwertung halten! Ich persönlich werde meinem Körper nun eine verdiente Ruhephase gönnen. Das heißt dann ca. 7 Tage nicht laufen, aber ein bisschen spazieren gehen schwimmen und Yoga. Wir erkennen viel zu wenig an, was der Körper tagtäglich für uns leistet. Immer wieder draufhauen, das brauche ich nicht und das will ich nicht.

Bedanken möchte ich mich bei meinen Sponsoren cha cha- positive Eating, Bioland Söth und Pharma Nord. Insbesondere beim Gewinnspiel von Pharma Nord haben viele Leute ihren Tipp abgegeben. Wer das Interview mit mir zum Thema Nahrungsergänzungmittel und meine kommenden Ziele erfahren will kann das nochmal  hier nochmal nachlesen.

 

Die Bilder stammen von Tim Sommer und Helga Tollknäpper.