Maßlosigkeit

Ich habe mir schon oft darüber Gedanken gemacht was eigentlich das richtige Maß im Training ist. Woran erkennt man, dass man dauerhaft genau das richtige Maß an Training trifft ohne, dass der Körper langfristig so unter Stress gerät, dass dieser irgendwann drohnt daran zu zerbrechen?

Klar ist auch, dass jeder sein individuelles Maß finden muss, aber Regeln für ein sinnvolles Training gibt es auf jeden Fall auch.

Insbesondere zu Weihnachten fällt auf, dass wir alle maßlos geworden sind. Nicht nur auf Geschenke bezogen, sondern im Prinzip kann man es auf viele Bereiche anwenden. Wenn man dann auch mal die Zeit findet sich Trainingsplänen aus den sozialen Netzwerken näher zu begutachten, dann fehlen mir manchmal einfach die Worte... Wie kann man seinen Körper nur so schänden? Mir geht es nicht um die absolute Weltspitze, wer dort angekommen ist: Bravo. Aber auch das geht nur mit maximalen Trainingsaufwand, viel Talent und der Bereitschaft seine körperliche Gesundheit für den Kick für den Augenblick zu verschenken. Diese Personen wollen einmal in einem (in ihrem Leben) absehbaren Zeitraum auf ihrem Zenit der maximalen körperlichen Leistungsfähigkeit stehen- um dann dem Leistungssport irgendwann für immer "lebe wohl" zu sagen. 

Was ist also das richtige Maß? Ich mache mir oft Gedanken darüber wie weit ich im Training gehen möchte, wie viele Kilometer ich rennen will ohne jemals die Option zu haben irgendwo bei Olympia oben stehen zu können. Das beschäftigt mich wirklich.Denn das ist nicht mein Ziel und dazu fehlt mir auch das nötige Talent. Ich will nicht mit 40 Jahren sagen müssen, dass ich es in meinen 20ern maßlos übertrieben habe. Ich will mich nicht ständig mit eigens hervorgerufenen Wehwehchen rumschlagen müssen.  

 

Eines jedoch will ich: Ich möchte mit Spaß den Sport betreiben, den ich liebe. Ich möchte mich nicht zwingen müssen, um erfolgreich zu sein. Ich nehme die Dinge so wie sie kommen und glaube daran, dass die Kontinuität im Training der Schlüssel zum Erfolg ist und nicht irgendein sinnfreies Körperschändenes 120 km pro Woche Programm, wo ich jetzt schon weiß, dass es früher oder später zum Bruch kommt.  Dafür höre ich mir auch gerne an, dass ich ja nicht viel im Training mache. Ja, 60-80 km mögen nicht viel sein. Zudem baue ich mir häufig nach harten Belastungen vollständige Regenerationstage ein, um den Körper vor Überlastungsschäden zu schützen. Heutzutage ist es fast schon eine Kunst sich nicht mit anderen zu vergleichen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, dass man sich im Training wahrscheinlich UNTERLASTET hat. Irgendwer hat an dem Tag immer schneller oder länger trainiert.

 

Aber die Frage ist immer, mit wem vergleiche ich mich? Eines könnt ihr glauben: Auch ich habe Ambitionen :) Diese lassen sich aber nicht mit den Ambitionen eines Profisportlers vergleichen. Würde ich so trainieren, dann wäre es ja traurig wie weit ich damit gekommen wäre- es ist also alles eine Frage der Perspektive.

Natürlich kann man jetzt auch denken, dass wenn alle so denken würden, dann hätten wir keine guten Sportler. Ja, das stimmt. Aber man sollte auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion besitzen, um sich realistsich einschätzen zu können.

Schaue ich- ab und zu- nach links und rechts dann merke ich, dass meine Trainingsumfänge wohl im Vergleich eher als amateurhaft abzustempeln sind. Schaue ich dann aber noch weiter, dann sehe ich auch, dass es anscheinend durchaus seine Berechtigung hat.  Was will ich erreichen? Will ich schnell eine große Leistungssteigerung nur um 2 Jahre später ausgebrannt zu sein oder will ich mich langsam und langfristig entwickeln? Die Entscheidung sei wohl jedem selbst überlassen. Schaue ich in die sozialen Medien, dann weiß ich, dass sich die Mehrheit für Option 1 entschieden hat.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Training!