Rasanter Einstieg in Riva del Garda

Womit fange ich an? Ich möchte euch nach langer Zeit mal wieder etwas aktuelles berichten, nachdem ich die letzten Wochen nicht so viel Zeit zum schreiben hatte und auch auf sportlicher Ebene eher nicht so viel los war. Im Moment verbringe ich meine Zeit teilweise in der Schule, was für mich bedeutet: sehr früh aufstehen! Mit sehr früh meine ich eher für meine Verhältnisse sehr sehr früh, wenn ich Pech habe um 5:30h! Das hat mein Körper die letzten Wochen extrem gemerkt, vor allem weil man mich nicht gerade als Einschlafkünstlerin bezeichnet könnte. Um 22 h ins Bett gehen ist mein Körper nicht gewöhnt, ideal empfinde ich eher 23:15h- 7h schlafen. Dass das Immunsystem dann anfällig wird, wenn man noch schön "drauf" trainiert, das musste ich dann leider pünktlich zu den Herbstferien feststellen. Dahin waren also meine Pläne einen richtig gut vorbereiteten Halbmarathon in Trentino zu rennen. Stattdessen entschied ich mich dazu die Erkältung auszukurieren und meine Saisonpause einzuleuten. Die Reise nach Trentino hatte ich dieses Jahr wieder gewonnen und ich wollte unbedingt mitfahren, wer weiß wie oft sich noch so eine Chance eröffnen würde? Ich erinnerte mich an letztes Jahr, die Strecke war ja auch traumhaft, die Luft so rein und klar, besser geht es doch zum laufen gar nicht. Mein Plan hieß dann also Tempodauerlauf anstatt Vollgas. Wie sehr ich mich doch irren sollte.

Am Freitag kamen wir sehr viel früher in Riva del Garda an, ca. um 17:30 Uhr, so dass Pascal und ich noch die Chancen nutzten unsere müden Beine bei einem kleinen Läufchen zu lockern. Man fühlte sich das schwer und träge an! Wir liefen teilweise die Laufstrecke von Sonntag ab, und waren uns beide einig: "Das sollen wir am Sonntag laufen? Ohjee, ist der Abschnitt am See lang! Und der Boden total uneben. Nein, das kann auf gar keinen Fall genau der Streckenabschnitt sein!" Eines vorweg: Wir hatten beide unrecht. Am Abend gab es noch ein leckeres Drei-Gänge-Menü und Niels Schumann stellte sich vor. Er war als Wochenend-Coach und Motivator angereist. Das hieß vor allem: Laufen, Lauf ABC und ein Vortrag über Leistungssport & Gesundheit. Wer Niels nicht kennt: Er ist ehemaliger Olympiasieger über 800m und gab uns interessante Einblicke in seine leistungssportliche Karriere, aber auch über sein Leben nach dem Sport. Er selbst rannte mit der Startnummer 1 am Sonntag beim Halbmarathon mit. Am Samstag startete der Tag mit einer Laufeinheit, gefolgt vom Lauf ABC und einer tollen Yogaeinheit, die seine Frau angeleitet hatte. Ich hatte echt Angst danach einen netten Muskelkater zu bekommen, was ich üblicherweise immer nach einer Yogaeinheit an der Uni habe und im Moment komme ich auch leider eher seltener dazu mich zum Yoga zu begeben, was ich sehr bedauere. Zum Glück blieb der Muskelkater aber aus! Puhh, nochmal Glück gehabt!

Am Sonntagmorgen war strahlend blauer Himmel und es war angenehm kühl. Die Minuten vor dem Start suchen in Deutschland ihres gleichen, die Italiener wissen echt wie man Stimmung macht! Zum Sound zu Pirates of the Caribbean wurden wir auf die Laufstrecke geschickt. Was für ein Adrenalinrausch. Leider wohl ein wenig zu hart, der erste Kilometer bergab gestaltete sich viel zu schnell in 3:24'. Oh jee. Was war nochmal mein Plan? Nächster Kilometer: Wo ist denn eigentlich die erste Frau? Ich suchte mit meinen Augen das Feld vor mir ab, musste dann aber feststellen, dass ich wohl die erste Frau war. Kilometer 3:29'. Langsam dachte ich, dass meine Uhr wohl spinnt. Auf einmal hörte ich ein leichtes Hecheln hinter mir. Klang für mich eindeutig nach einer Frau. Ich war erstmal damit beschäftigt mein Tempo etwas zu mäßigen, was mir dann auch etwas gelang. Nach drei Kilometern zog die Frau hinter mir langsam an mir vorbei. Das war ok. Ich wollte ja eigentlich kein Vollgas geben. Aber Moment mal, ich wollte auch nicht Platz um Platz verlieren! Dass ich heute nicht auf High-End Niveau laufen konnte,  war mir klar. Woher sollte es auch kommen? Ich bin die letzten fünf Wochen nicht einmal länger als 14km gelaufen, mit Ausnahme von letzten Donnerstag, wo ich mit Ute einen netten, lockeren 18km-Lauf durch Glücksburg gelaufen bin.
Auf jeden Fall war aber irgendwie der Kampfgeist geweckt und ich wollte meinen zweiten Platz nicht mehr hergeben. Somit entschloss ich mich, meinen Platz ins Ziel zu retten, wohl wissend, dass ich einen guten Vorsprung bereits herausgelaufen hatte, ich aber nach hinten hin garantiert langsamer werden würde. Leider war ich auch größtenteils auf mich alleine gestellt, was die ganze Sache härter gestaltete. Auf der anderen Seite ist es auch mal ganz gut nicht immer nur mit Tempomachern zu laufen, sondern auch mal zu zeigen, dass man sich auch sehr wohl alleine durchkämpfen kann! Am Ende lief ich, muskulär ziemlich zerstört durch die vielen Hügel, mit einer 1:20:15h ins Ziel, was viel mehr ist, als ich mir selbst zugetraut hätte! Meinen zweiten Platz konnte ich halten und bin darüber hinaus Sportscheck Stadtlauf Meisterin 2017 geworden!
Nun sitze ich im Zug auf der Rückfahrt, meine Beine tun immer noch weh wie lange nicht mehr, aber ich bin glücklich! Ich hoffe, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist, schon so früh nach der Pause, so schnell zu laufen.

 

Ein großer Dank geht an Sportscheck, Pharma Nord (die NEM haben mir bei der Genesung sehr geholfen) und natürlich an unser absolutes Lieblingsrestaurant cha cha- positive eating! Bevor es zum Gardasee ging haben wir uns dort vorzüglich gestärkt. Die Winter-Special-Karte ist übrigens der absolute Oberkracher!

Photo Credits:

Newspower, http://www.ildolomiti.it/sport/2017/seimila-concorrenti-messi-in-fila-dal-keniota-tiongik-e-dalla-lituana-juodeskaite

Video Impressionen 2017