Der perfekte Flow beim Trentino Halbmarathon

Am Freitag morgen in der Früh ging die Reise los zum Gardasee. Wir, also Pascal und ich, hatten beim Nachtlauf in Bremen die Reise gewonnen und uns schon seit Mai auf dieses Ereignis gefreut. Ich war mir zwar nicht so sicher, ob ein Halbmarathon im November, ein paar Wochen nach meiner Saisonpause, so viel Sinn macht. Aber es muss ja nicht immer eine richtig tolle Zeit dabei herauskommen, um bei einem Lauf Spaß zu haben. Dass die Strecke traumhaft werden würde, war schließlich sicher.

Ich muss zugeben, dass ich mir fast nichts Schlimmeres vorstellen kann, als stundenlang im Bus zu sitzen. Ich habe da nicht die nötige Ruhe zu, wenngleich die Strecke von München nach Riva del Garda der reinste Genuss fürs Auge ist. Bisher kannte ich die Strecke nur im Hochsommer, da ich bereits schon dreimal Richtung Gardasee/Comersee mit meinen Eltern getourt bin.

 

Das Erwachen vor einer eindrucksvollen Kulisse

Dieses Mal kam man sich vor wie im Winter Wonderland und ich glaube alle Läufer im Bus (wir waren mit ungefähr 35 Stadtlauf Meister/innen unterwegs) teilten die gleichen Freuden beim Herausschauen.

Um 19:30 kamen wir dann endlich in Riva del Garda an. Es war bereits dunkel und die Schönheit der Gegend entfaltete sich mit voller Wucht am nächsten Tag, als wir die Gardinen unseres Zimmers öffneten. Die Sonne hatte sich zwar noch hinter den imposanten Bergen versteckt, aber es ließ sich bereits erahnen, dass es ein perfekter Novembertag am Gardasee werden würde.

Am Vormittag wollten Pascal und ich noch einen kleinen Lauf machen, um die Beine zu lockern, da der Reisetag anstrengend gewesen ist und mir vom ganzen Herumsitzen die Beine wehtaten (Pascal mahnt mich immer ab, dass ich Kompression tragen soll..ja, ja, nächstes Mal vielleicht. Oder auch eben nicht). Jedoch kamen wir bei unserem Lauf nicht weit. Es gab so viele wunderschöne Kulissen, die es wert waren, fotografiert zu werden. Also hielten wir immer wieder an, um die Schönheit der Natur einzufangen, gepaart mit einigen tollen Laufposen. Am Ende kamen wir dann vielleicht auf 4-5km. Da ich eigentlich üblicherweise nie am Vortag eines Wettkampfes laufe, war das total ok.

Am Abend gingen wir zur Messe und bekamen unsere Startunterlagen. Auf der Bühne wurden alle Sportscheck Stadtlaufmeister vorgestellt.

 

Dinner for four: "Der Club der alternativ angehauchten Läufer"

Jeden Abend und am Morgen gab es ein reichhaltiges Essensangebot im Hotel, wo wir gemeinsam mit den anderen Läufern speisten. Es dauerte nicht lange, da fand sich auch schon ein Tisch der "alternativ angehauchten Läufer" zusammen, die alle so ihre speziellen Wünsche und Bedürfnisse beim Essen hegten und pflegten.  Da Pascal und ich uns ja laktosefrei und glutenfrei ernähren, fanden wir in Karoline und Vincent zwei vegane Kompanen, mit denen wir am Tisch unglaublich viel Spaß hatten. Wir witzelten, dass unser Tisch weltoffen für alle Ernährungsformen sei, obgleich vegan, glutenfrei, raw, Frutarier, paläo, paläo-vegan, Flexitarier und was die Menschheit noch zu bieten hat. Unsere Kellnerin war ebenfalls Veganerin. Dem Busfahrer, der genau hinter uns saß, fiel entsetzt die Kinnlade herunter und fragte, ob hier alles vegan sei, als er die Szenarien an unserem Tisch mitbekam und prompt gefragt wurde, ob er auch ein veganes Gericht haben wolle.

Am Samstag fühlte ich mich nicht so wohl. Die viele Heizungsluft machte mir zu schaffen und sorgte dafür, dass ich mich fühlte, wie wenn eine Erkältung am anrollen ist. Wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann sind das überheizte Räume. Im Bus wird man leider ständig damit konfrontiert und wenn man mit 35 anderen Menschen zusammen reist kommt man einfach, was das Klima betrifft, nicht auf einen Nenner. Ich versuchte aber optimistisch zu bleiben und mir einzureden, dass keine Erkältung im Anmarsch sei, sondern die Heizungsluft Schuld an meiner Antriebslosigkeit sei.

 

Der Renntag

Sonntag war der Renntag. Mein Schlaf war überragend und ich fühlte mich am nächsten Morgen schon wieder voll in Ordnung. Pascal war so lieb und bereitete mir ein leckeres Frühstück zu. Er selbst wollte nicht auf Vollgas rennen, sondern hatte sich entschlossen für mich Tempo zu machen, worüber ich natürlich sehr glücklich war. Dass er sich als Pacemaker auch um die kulinarische Rundumversorgung bemühte war eine nette Überraschung! Aufgetischt wurde dann ein Hirseporridge und ein 'Roo Bite' Maulbeere-Vanille. Wir liefen die 2,5km zum Start hin und waren ca. 10 Minuten vor dem geplanten Startschuss an der Startlinie. Die Veranstalter sorgten ordentlich für Stimmung und das Adrenalin war deutlich zu spüren. Das Wetter war noch recht kühl, um die 2-3 Grad, was sich später auch nicht mehr änderte, weil es ein bedeckter Tag war. Glück für mich! Die ersten beiden Kilometer gingen zu unserer Überrschaschung nur steil bergab, und mein Plan, im 3:45er Schnitt anzugehen, löste sich in Luft auf.

Es lief einfach und die ersten beiden Kilometer waren 3:35' und 3:37'. Pascal sagt mir zwar immer wieder ich soll während des Laufens nicht so viel rechnen, aber für mich ist das Rechnen zwischendrin eine willkommene Abwechslung. Von hinten ertönte es nach dem Start : "Aha, die Alsterrunner!" Hamburg kennt man also überall :-) Bei 10km zeigte meine Uhr 37:10 min an.  Viel zu schnell, dachte ich mir, aber es rollte wirklich gut und die klare Seeluft sorgte für eine optimale Sauerstoffversorgung in den Muskeln. Von Müdigkeit also keine Spur! Worauf soll das hinauslaufen, fragte ich mich. Ich wartete immer darauf, dass irgendwo Hügel auftauchten, da mir schon mehrere Leute im Vorwege erzählt hatten, dass es die ersten 10km bergauf geht und die zweite Hälfte die Schnellere sein soll. 

Im Flow zur neuen Bestzeit

Zwischen Kilometer 13-16 erlebte ich einen richtigen Flow. Pascal lief ein optimales Tempo, immer zwischen 3:42' und 3:46' . Ich spürte zeitweise meinen Körper nicht mehr, verlor mich in Gedanken und merkte erst irgendwann bei Kilometer 16, dass das hier gerade echt war und kein Traum. Wo bin ich die letzten Kilometer gewesen? Ich weiß es nicht. Mit dem berühmte Runner's High macht man tatsächlich eher auf den längeren Strecken Bekanntschaft.  Die Strecke war so einmalig, am See entlang, durch urige süße Gassen. Die 10 Meilen liefen wir knapp unter einer Stunde. Die Natur gab mir so viel Energie und Optimismus, wie ich es noch nie in einem Wettkampf erlebt hatte. Und die Aussicht, dass eine neue Bestzeit fallen wird, tat sein übriges. "Wann kommt denn der Einbruch"? , fragte ich mich. Beim Hella Halbmarathon ging es mir bereits nach 12 Kilometer nicht mehr so prickelnd und da kam ich nicht gerade aus der Saisonpause. Manche Phänomene versteht man einfach nicht, oder erst wenn man Abstand zu den Ereignissen gewinnt.

Die letzten beiden Kilometer wurden hart, das merkte ich, als wir die letzte Steigung bei Kilometer 19 nahmen und sich auf einen Schlag meine Atmung um drei Stufen erhöhte. Pascal tat sein Bestes, um mich die letzten beiden Kilometer so gut es ging zu motivieren.  Der letzte Kilometer war mit einer 3:53' dann auch nicht mehr so schnell wie ich es mir erhofft hatte, aber immerhin reichte es noch für eine neue Bestzeit in 1:19:14 h . Insgesamt wurde ich damit 8. Frau, vor mir lagen drei deutsche Mädels, alle aus der Sportscheck Crew, und 4 Italienerinnen.

Fazit

Die Tour war ein überragendes Erlebnis. Gerne wären wir natürlich noch ein paar Tage länger dort geblieben und hätten die tolle Natur genossen! Ein großer Dank geht natürlich an Sportscheck und an  Alice und Martina, sozusagen unsere Tourguides. Martinas Artikel auf dem Sportscheck Blog gibt es für Interessierte hier zu lesen. 

Was mein Training angeht, bin ich, wie schon erwähnt, sehr erstaunt, dass es bereits jetzt schon wieder so gut läuft. In diesem Jahr werde ich noch die Cross LM angehen und den Silvesterlauf in Oeversee. Wie jedes Jahr wird mein Highlight dann wieder die Winterlaufserie in Drelsdorf sein, wo ich natürlich auf gute Bedingungen hoffe!

 

Streckenprofil und Laufdaten

Wer sich für den Streckenverlauf, die Höhenmeter und andere Laufdaten des Trentino Halbmarathons interessiert, der kann den Lauf in meinem Garmin Connect Konto unter diesem Link einsehen!

 

Vielen Dank an meine Sponsoren!

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