Über Stock & Stein: Cross, crossiger, Tiergarten Cross!

Herbst ist Crosszeit. Die Schuhe sehen hinterher aus wie sau, die Beine sind bis oben hin mit Matsch bedeckt und der Rücken bleibt oftmals auch nicht verschont vom Dreck. Man kann das eine oder andere Mal von Glück reden, wenn der Schuh nicht im tiefen Matsch einfach stecken bleibt, so dass man nur auf Socken weiterlaufen muss. So haben Pascal und ich das Erlebnis Crosslauf immerhin letztes Jahr live bei der deutschen Meisterschaft miterlebt. "Der Tiergarten Cross wird bestimmt nicht so heftig!" redete ich mir ein als ich mich am Meldeschlusstag kurzfristig entschloss am Sonntag beim Tiergarten Cross in Schleswig zu starten. Sich ganz offiziell mal dreckig machen zu dürfen ist schließlich auch  reizvoll,  aber eines wollte ich hingegen auf gar keinen Fall: Noch eine Verletzung vor dem Trentino Halbmarathon in Riva del Garda in einer Woche riskieren! Mein Motto ist daher eigentlich eher: "Über Stock und Stein das muss  jetzt gerade nicht sein", aber man kann seine Meinung ja auch kurzfrsitig mal ändern und etwas riskieren. Es ist ja nicht so, dass man sich zwangsläufig immer gleich verletzt und mit der Erwartung durchs Leben zu gehen bringt einen ja auch nicht weiter.  Außerdem bringt mir das Laufen in der Natur Spaß und ich liebe die Natur, insbesondere Wälder.

 

Unterwegs auf unbekanntem Terrain

Ich hatte zwar nicht die geringste Ahnung, was mich dort erwarten würde, hatte aber fest geglaubt einen netten Waldlauf vorzufinden, mit ein paar kleinen Steigungen. Auf den Bildern der letzten Jahre sah das ganze doch so harmlos aus...

Leider falsch gedacht! Am Morgen brach ich zusammen mit der lieben Ute Fanslau auf, um in Schleswig den Wald unsicher zu machen. Im Auto wurde ich dann 35min von ihrem süßen Hund Anouki fast totgekuschelt, da wir uns einen Platz teilten und er die Situation schamlos ausnutzte. Mein eifersüchtiger Collie Samy wäre wohl entsetzt gewesen! :) In Schleswig angekommen trafen wir dann auch nach langer Zeit mal wieder Karen Paysen. Mit ihr im Hauptlauf über 8800m Cross wusste ich, dass es kein leichtes Rennen werden würde, aber ich mag Konkurrenz sehr, weil man es sich dann nicht mehr erlauben kann sich selbst während des Rennes "hängen zu lassen". Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft! Sowas pusht ja auch enorm und am Ende steht eine bessere Zeit auf der Uhr.

Vor dem Einlaufen bemitleideten Ute und ich uns gegenseitig, dass es soo kalt draußen ist und wir beide keine Ahnung hatten, was wir bloß anziehen sollten. Ein typisches Frauenproblem, leider. Auch der Läufer gegenüber von unserem Auto stimmte (vielleicht aus Solidarität) mit ein und fragte sich, was er eigentlich hier an einem Sonntagmorgen mache.  Mit Pascal, der übrigens gerade auf Dienstreise war, wäre das Szenario deutlich anders gewesen. Dann jammere ich ihn meistens an, dass ich nicht weiß, an welches Shirt (lang? kurz? oder doch eher mittellang?) ich meine Startnummer befestigen soll, da ich meistens 2-3 unterschiedliche zur Auswahl einpacke (zumindestens in den Übergangszeiten). Seine Antwort ist dann praktisch immer : "Du brauchst nichts extra anziehen, dir wird eh warm!" Das sollte man natürlich nicht ganz wörtlich nehmen ;-)

 

Die Strecke: Traum vs. Realität

Um 10:30 fiel der Startschuss und ich war vorher schon aufgeregt. Das bin ich vor Cross immer, weil man nicht weiß was einem erwartet und die Strecke voller kleinen fiesen Überraschungen sein kann. Ich plante aber eher defensiv, also vorsichtig, zu laufen, denn eine Verletztung durch riskante Aktionen wären einfach nur ärgerlich gewesen. Was ich aber beim Cross gelernt habe, ist, dass am Start manchmal ganz schön die Ellenbogen ausgefahren werden. Ich wollte auf jeden Fall eine gute Sicht auf den Weg haben, also gab ich am Anfang Gas, um möglichst schnell wegzukommen. Das gelang mir auch ganz gut und ich konnte die erste Runde (von Insgesamt 4) an der Spitze laufen, um den Weg & Bodenbeschaffenheit zu sehen. 

Nach der ersten Runde fiel mein innerliches Fazit eher bescheiden aus. Von "ohje, was hab ich mir dabei gedacht die Langdistanz zu wählen?!" bis "komm schon, das sind doch bloß 8,8km!" ging meine Gefühlslage mit dem Matsch und den Bergen auf und ab. 

Das tiefe Geläuf macht mir dabei am meisten zu schaffen. Nicht nur, dass es eine ungewohnte Belastung ist, auch weil ich mit meiner Schuhwahl doch leicht daneben lag. Anstelle von Spikes wählte ich meine leichten Wettkampfschuhe, die ein minimales Profil aufweisen. Ich spare lieber Gewicht bei den Schuhen und verzichte auf ein gutes Profil. Bisher lag ich mit der Wahl auch fast immer goldrichtig, zugegeben war das für diesen Tag hingegen eine sehr schlechte Entscheidung. Es hatte zur Folge, dass ich in den scharfen Kurven ganz ordentlich am wegrutschen war und die Anstiege am Berg im tiefen Matsch umso mehr Kräfte kosteten. Dann gab es noch eine Matschpassage, an der man sich sogar ducken musste, da ein Baum knapp  auf Kopfhöhe über den Weg ragte, worauf ein frustrierter männlicher Läufer "Ist DAS eurer Ernst!" in den Wald hinein schrie. Ich habe mich prima unterhalten gefühlt :-)

Nach 35 harten Minuten und 20 Sekunden hatte ich endlich das Ziel als dritte im Gesamteinlauf erreicht und meine Taktik, den ersten Platz  bei den Frauen zu halten und dabei so vorsichtig wie möglich zu laufen, war zum Glück aufgegangen. Karen folgte aber schon 11 Sekunden später. Mir war gar nicht bewusst, wie knapp das gewesen ist, da ich mich zum Glück nie umgedreht hatte.

Fazit

Aber zwei Dinge stehen fest: Ute, Anouki und ich hatten eine wunderbare & erfolgreiche gemeinsame Tour und zweitens bin ich persönlich noch nie so eine schwere Strecke gelaufen. Dennoch ist Cross immer eine wertvolle Erfahrung, die hauptsächlich Kraft , Konzentration und Durchhaltevermögen abverlangt. Meine persönliche Leidenschaft liegt aber ganz deutlich auf den schnellen Straßenläufen. Nun ruhe ich mich diese Woche etwas aus und hoffe auf ein tolles & rasantes Event mit der Sportscheck Crew und natürlich Pascal, der mit mir gemeinsam den Halbmarathon laufen wird, am Wochenende in Riva del Garda. Ich werde berichten!

 

Das Foto stammt von Lasse Frahm