Gedanken zum Herbstanfang Teil 3:                       Über Renntaktiken, Saisonpausen und Herbstgefühle

Die Landesmeisterschaften im Halbmarathon sind für dieses Jahr nun auch wieder Geschichte. Der Halbmarathontitel bedeutet mir immer besonders viel. Schließlich wurde ich auf dieser Distanz 2012 bei meiner ersten Meisterschaft in SH zum allerersten Mal Vizemeisterin und 2014 zum ersten Mal Landesmeisterin. Außerdem mag ich persönlich diese Distanz am liebsten...

Meisterschaftsfreuden

"Wir bestellen extra für dich kühles Wetter und Regen!", kündigte der Veranstalter schon schmunzelnd im Vorfeld an, als ich mich mal wieder über das zu warme Wetter beschwerte. Und da wurde mir nicht zu viel versprochen. Okay, der Regen darf gerne fern bleiben, solange die Temperatur stimmt. Die 10 Grad am Morgen zauberten mir schon früh ein zufriedendes Lächeln auf die Lippen und ich wusste, dass es nicht so ein grauenvoller "ich-kämpfe-mich-da-irgendwie-schon-durch-Lauf" werden würde! Ich hatte mir aber vorher noch keinen taktischen Plan zurecht gelegt und wusste nicht so recht wie ich das Rennen angehen wollte. Steigerungslauf? Gleichmäßiger "ich-gebe-alles-Lauf"? Mit angezogener Handbremse laufen? Schließlich redet mir Pascal immer wieder ein, man müsse sich nicht bei jedem Wettkampf"abschießen".

Letztendlich entschied ich mich für die Variante, den Lauf mutig anzugehen. Also einen 3:45er Schnitt so lange halten wie nur möglich. Was hatte ich schon zu verlieren? Bis 10km war das dann kein Problem, aber dann wurde es tough...Letztendlich wurde die zweite Hälfte langsamer, aber eine neue Bestzeit anzustreben wäre auch nach den letzten verkorksten Wochen vermessen gewesen.

 

Wenn die Motivation auf und davon rennt

Während eines Wettkampfes hat man ja wirklich viel Zeit zum Nachdenken. Dann kommen einem alle möglichen Szenarien in den Kopf und man beginnt zu zweifeln. Muss ich wirklich immer alles geben? Macht es einen Unterschied, ob ich mit einer 1:20 oder 1:22 ins Ziel renne? Zugegeben, das sind Luxusprobleme. Aber letztendlich fehlt mir zum Ende des Jahres einfach der Biss, man kann sagen "die Luft ist raus". Wahrscheinlich ist das auch das sicherste Zeichen, dass der Körper und Geist wirklich nach einer längeren Pause schreien, um dann genügend Motivation und Power für den anstehenden Winter zu tanken.

 

Die Jahreszeiten geben den Takt vor: Die Vorzüge des Herbst

Ich liebe den Herbst. Die Tage werden kürzer, das Wetter kühler und die Natur ist voll im Wandel. Natürlich ist die Tatsache, dass der Sommer nun in der letzten Blüte steht, traurig, aber auf der anderen Seite sind die Jahreszeiten gute Taktgeber im Leben und man kann sich immer auf etwas freuen, da alle Jahreszeiten ihre Vorzüge haben!

Wenn die Blätter sich färben, sogar mein Hundi sich von seinem Sommerfell befreit und ich wie jedes Jahr Flauschbälle vom Teppich sammeln kann, dann habe auch ich den Eindruck, dass es an der Zeit ist, etwas zu verändern. Es ist an der Zeit, dass etwas Ruhe einkehrt, ehe der Spätherbst mich wieder voll auf Touren bringt.

 

Sauerstoffdusche und Adrenalinrausch

In gewisserweise hege ich  eine kleine Vorliebe für typisch norddeutsches Herbst- und Winterwetter. Ich kann mir wirklich nichts Schöneres vorstellen, als nach einem Lauf im kühlem Wind oder etwas Regen und nach einer heißen Dusche auf dem Sofa abzuhängen und mich bei Entspannungsmusik (Dan Gibson's Solitudes) und etwas zum Lesen zu entspannen. Allein die Sauerstoffdusche nach der Einheit ist der pure Wahnsinn und macht den Geist frisch für neue Aufgaben.  Ebenso liebe ich es in der Dämmerung in die Dunkelheit hineinzulaufen, das hat teilweise etwas Mystisches. Wenn dann durch den Ipod die geeignete Musik ertönt (Favourit ist der Soundtrack von The Dark Knight), kann man schon einen sehr intensiven Adrenalinrausch erleben! Auf alle diese Kleinigkeiten freue ich mich schon sehr- genauso wie auf Kürbisse, Apfelmus, Zimt, Herbstspaziergänge durch den Wald,  Stirnbänder und später auch Handschuhe.

Aber nun lehne ich mich knapp 2 Wochen zurück, werde eine Laufpause einlegen und mich auf viele Kleinigkeiten stürzen, die man zum Herbstbeginn so macht, wie etwa den Kleiderschrank aussortieren und neu anordnen, die Homepage aufpolieren und die letzten Spätsommerstrahlen einfangen.

 

Danke an Helga Tollknäpper und Mansor Farah für die Fotos!!