Gedanken zum Herbstanfang Teil 1: Über 3000m Rennen, Cityläufe und Muskelwehwehchen

Da ich nun längere Zeit an dieser Stelle nichts mehr geschrieben habe, will ich endlich eine neue Herbstbeitragsreihe nutzen, um den Sommer Revue passieren zu lassen. Die Ereignisse haben sich von Mai bis September gerade zu überschlagen, so dass ich nicht für jedes Event einen einzelnen Artikel verfassen wollte. Ebenso verbringe ich die Zeit im Sommer schlicht und einfach lieber im Freien, als stundenlang am PC Texte zu verfassen! Um eines vorwegzunehmen: Ich bin froh, dass es so langsam Herbst wird! Denn der Sommer glich teils einer Achterbahnfahrt der Gefühle und gerade zuletzt bin ich doch durch das heiße Spätsommerwetter recht ausgelaugt und fast motivationslos. Gerade in den letzten Wochen habe ich wieder feststellen müssen, dass ich eher ein Winterkind bin, der Übergang vom Sommer in den Herbst, weiter zum Winter mich mit Freude erfüllt und man schon fast wieder gedanklich in die tolle Vorweihnachtszeit verfällt.  Aber erstmal zurück zum Sommer...

 

Juni-August: Sportscheck Nachtlauf / Hella Halbmarathon/ Berliner Citynacht

Ich kann mich ja gar nicht beklagen, der Juni lief hervorragend! Es gab viele Highlights, insbesondere der Hella Halbmarathon, den ich dieses Jahr zum ersten Mal mitlief. Eigentlich wollte ich auch einfach mal so mitlaufen, zuletzt hatte ich gar nicht so große Umfänge gemacht und meine längsten Läufe waren ca. 15km lang. Eigentlich. Irgendwann stieg dann der Druck, als Pascal munter herum erzählte, ich plane eine 1:20 beim Hella Halbmarathon. Na toll :) Ok, ich habe das dann mal sportlich als Herausforderung angenommen, auch, wenn ein richtig "grenzwertiger" Halbmarathon im Sommer gar nicht in meinen Sinn gekommen wäre. Pascal tat jedoch alles, um mein Selbstvertrauen zu pushen und auch die Zeit vom Sportscheck Nachtlauf eine Woche zuvor (7,5km im 3:35'er Schnitt) sollten doch wohl einen Halben im 3:50'er Schnitt möglich machen? Die längeren Sachen liegen mir eh mehr, meinte Pascal.  Letztendlich hatte ich Glück, dass Jonas Wegers sich mir als Pacemaker anbot und Isabell Teegen schon frühzeitig erklärte, sie wolle ca. 1:20 oder kurz darunter laufen. Somit hatte ich zwei gute Orientierungläufer, an denen ich während des Laufes festhalten konnte. Ich fühlte mich zwar schon sehr früh nicht mehr leichtfüßig, so wie ich das eigentlich bis Kilometer 18 gewohnt bin. Aber das ist der Unterschied wenn man kurze Intensive Einheiten trainiert und dann einen Halbmarathon laufen will ;)

Jonas war wie so oft eine hervorragende Begleitung, der mich zwischendrin immer wieder motivieren kann das Tempo hoch zu halten. Gerade zum Ende hin war das so wichtig, weil die letzten Kilometer nur noch bergauf gingen.  Jonas, ich weiß, dass du das liest, also dankeschön!

 

Letztendlich wurde ich tatsächlich 2. Deutsche und habe die Ansage, ich wolle eine 1:20 laufen, auch erfüllt (1:20:52).

 

Auch die 10km Rennen verliefen im Hochsommer erstaunlich gut. Mein Glück, dass weit und breit kein hochsommerliches Wetter in Sicht gewesen ist. Ziemlich glücklich war ich über das Ergebnis bei der Adidas Runner's Night in Berlin. Relativ träge liefen die ersten 5km, ehe ich dann aus heiterem Himmel richtig auf Touren kam und mit einer 36:25 min ins Ziel stürmte. Das lag wohl auch daran, dass der Startschuss abends um 20:30 fiel, denn von meinem Biorythmus bin ich eher ein Abendmensch. Ich kann auch abends am besten und effektivesten trainieren.

 

Mission 3000m unter unglücklichen Zuständen halbgeglückt und die Konsequenzen

Für den Sommer hatte ich mir vorgenommen, mehr an meiner Grundschnelligkeit zu arbeiten, da ich der Meinung bin, dass zu monotones Training sehr schnell zur Stagnation führt. Da ich letztes Jahr meinen Fokus im Sommer auf den Marathon verschoben habe, also eher mehr längere, ruhige Läufe gemacht habe, wollte ich diesen Sommer einen Kontrast schaffen. Außerdem liebe ich das kurze, intensive Laufen inzwischen mehr, als die langen und langsamen Läufe. Der Marathon letztes Jahr hat bei mir tatsächlich bewirkt, dass ich zu den ganz langen Läufen keine Lust mehr habe. Das Spiel mit der Schnelligkeit hat auch seine besonderen Reize. Am liebsten ärgere ich Pascal, indem ich antäusche, dass ich es heute im Training ruhig angehen wolle und irritiere ihn mit kleinen Tempowechsel Spielereien. Oder wenn er sagt, er wolle den letzten Kilometer noch mal schneller machen, einfach mal hinten dran bleiben und vorbei ziehen :) 

Jedoch werde ich, was meine Wettkämpfe auf der Bahn betrifft, immer vom Pech verfolgt.

 

Letztes Jahr waren meine Bahnwettkämpfe immer die heißesten Tage des Jahres, weshalb ich mit meinen Leistungen auf der Bahn bisher nie zufrieden gewesen bin. Dieses Jahr hatte ich mir die 3000m in Bad Oldesloe ausgesucht, wo mir Pascal auch Tempo gemacht hätte. Ich hatte meinen Plan, ein 3000m Rennen zu laufen, nur eine handvoll Leuten erzählt, da ich erstmal selbst sehen wollte, was möglich ist. Ich kann mich nicht wirklich auf so kurzen Distanzen einschätzen und mein Training hat sich bis auf eine sehr intensive Bahneinheit pro Woche (4-5x 1000m in 3:20-3:15) nicht so viel verändert. Zwei Tage zuvor erreichte mich hingegen die Meldung, dass der Lauf abgesagt werden würde, da keine Zeitmessung zur Verfügung stehen wird.  Also alles für die Katz?

Möglicherweise, denn nach einer sehr intensiven Bahneinheit plagten mich von heute auf morgen auch noch stechende Schmerzen an der rechten seitlichen Wade. Zunnächst konnte ich damit noch laufen, nur die ersten 200m schmerzte es, dann ging der Schmerz weg. Umso schneller ich lief, desto weniger Schmerzen hatte ich. Es ist schon eine blöde Situation, wenn man noch laufen kann und keiner einem sagt, wann Schluss ist. Aber in den nächsten Wochen wurden die Schmerzen immer mehr. Als auch das normale Spazierengehen zur Last wurde, zog ich keine Woche nach den Husumer Hafentage Lauf, den ich noch in 37:21 (10,2km) gelaufen war, den Schlussstrich und machte 6 Tage Pause. Mein schlechtes Gewissen beim Laufen quälte mich mehr, als es eine Laufpause je könnte. In der Zwischenzeit hatte ich mir auch einen Termin für einen Physiotherapeuten geben lassen, um abzuklären, woher die Schmerzen kommen könnten. Innerlich stellte ich mich auf eine längere Laufpause ein.

Aber es gab Entwarnung! Zum Glück nur eine Muskelverhärtung, die mich zugegebenermaßen bis heute immer noch leicht plagt, aber nach der Saisonpause weg sein wird.

Von heute auf morgen konnte ich dank seiner Behandlung wieder zu 90% schmerzfrei laufen. Die 3000m ließen mich gedanklich immer noch nicht los,also entschied ich mich dazu ein paar Tage später ein herausragend besetztes 3km- Straßenrennen in Hamburg mitzulaufen. Straße ist schließlich eh abwechslungsreicher und das Rundenzählen kann man sich auch sparen, dadurch, dass eine 3km Runde zu laufen war. Dafür musste man sich natürlich mit Sanduntergrund und der einen oder anderen Steigung auseinandersetzen. Ich sag es gleich vorweg: Im nachhinein betrachtet war der Lauf ein riesengroßer Fehler, der mir einige Körner gekostet hat.

Mit meiner Zeit (10:14 min) war ich, was die zurückliegenden Umstände betraf, im Prinzip zufrieden. Dass dieser Lauf jedoch meine gesamte Planung der nächsten Wochen zerstören würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen...

 

Weiter geht's in Teil II : Über K.O-Läufe, Nüchterntraining und Mallorcawärme  (online Ende der Woche)