Über Nachtläufe, Wetterextreme und Regeneration

Der Monat Mai präsentierte sich dieses Jahr von seiner extremen Seite. Die Temperaturen spielten verrückt und der Körper musste sich von heute auf morgen quasi auf Sommer einstellen.  Der erste Mai- und gleichzeitig der Tag der Landesmeisterschaft über 10km in Kaltenkirchen- war der erste wärmere Tag im Frühjahr, geschätzte 16 Grad und viel Sonne. Wenn man bedenkt, dass eine Woche vorher noch Schnee lag und wir an der Uni auch ins schwanken gekommen waren, ob es eigentlich momentan das Sommer- oder Wintersemester ist, dann ist das schon ein ganz guter Temperaturanstieg.

Dementsprechend viel Respekt hatte ich vor dem 10km Lauf, der sich jedoch als überraschend angenehm herauskristallisierte. In 36:35 min konnte ich meinen Titel verteidigen und auch noch die zweitbeste Zeit nach Leverkusen laufen. Ich glaube, dass mein intensiveres Training mit reduzierten Kilometern, sich wirklich ausgezahlt haben. Eine Woche zuvor habe ich immerhin noch einen gesteigerten 16km Lauf machen können und eine Intervalleinheit (3km-3km-2km). Zusätzlich kommen noch völlig neue Reize hinzu, wie z.B. Barrenturnen und der Gleichen. Ich bin davon überzeugt, dass diese "läuferunspezifischen" Belastungen einen gewissen Beitrag zur Leistungssteigerung erbringen.

Eine Woche nach der Landesmeisterschaft folgte nun eine noch wärmere Wetterphase um die 25 Grad, die den Niebüller Stadtlauf für mich (und wie ich herausgehört habe für andere Läufer auch) fast unerträglich gemacht hat. Warme Luft und knallende Sonne gepaart mit Sturmböen können einem so richtig den Lauf verderben. Nach 37:48 min auf 9,8 km kam ich absolut abgekämpft ins Ziel und freute mich innerlich schon wieder auf den Winter (zumindestens läuferisch).  In solchen Situationen merkt man ganz deutlich, dass der Körper einige Wochen braucht, um sich auf die Wärme einzustellen und dass eine Umstellung nicht von heute auf morgen geht.

Pascal und ich hatten uns entschlossen dieses Jahr beim B2RUN Firmenlauf Hamburg mitzulaufen, der am Dienstag, also knackige 2 Tage später, stattfinden sollte.

Auch hier drehte das Wetter noch mal richtig auf und es waren am Abend immer noch (eigentlich ja  schöne) 26-28 Grad.  Der Lauf führte hügelig durch den Volkspark in Hamburg und war nicht wirklich ein Straßenlauf. Bereits nach dem ersten Kilometer merkte ich, dass das Wetter mir sehr zu schaffen machte und ich noch kein bisschen von der Hitzeschlacht in Niebüll erholt gewesen bin. Außerdem bin ich an diesem Dienstag morgens bereits um 5:30 aufgestanden, um noch genügend Zeit für meinen Hund zu haben. Die Spaziergänge mit meinem Hund vor der Uni sind mir sehr wichtig und notfalls stehe ich dafür ben früher auf. Der Vorteil ist, dass man morgens in der Uni schon recht wach ist, wenn man bereits 40 min frische Luft eingeatmet hat  :)

Zurück zum Lauf:
Immerhin war die Strecke für Hamburger Verhältnisse wunderschön. Nach 21:30min über 5,8km hatte ich mich ins Ziel gekämpft. Später tauchte auch Magdalena Neuner bei der Siegerehrung auf und überreichte auf der Bühne die Preise.

Nur eine Woche später war dann mein eigentliches Highlight geplant. Der Berliner Frauenlauf stand an. Im Prinzip ein schöner Lauf, den wir uns auch später aus der Zuschauerperspektive anschauen konnten.  Denn der Plan dort zu starten wurde von mir zwei Tage vorher umgeschmissen und dafür der Sportscheck Nachtlauf in Bremen integriert. Pascal wollte diesen Lauf sowieso mitlaufen und ich hätte ein bisschen angefeuert. Das war der Plan. Der Bremer Nchtlauf fand am Freitagabend um 22 Uhr statt, was mir ganz gut passte. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass ich keine Lust mehr auf die Wärme hatte und für Berlin waren immerhin noch sommerlich 23 Grad und viel Sonne angesagt....also wieso denn nicht einfach mal spontan Nachts laufen?

Dadurch, dass ich mich erst am Donnerstag Nachmittag dazu entschlossen hatte dort zu starten war der Lauf Hals über Kopf voll aus dem Training heraus. Zuvor bin ich noch meine lieblings Glücksburg Runde mit vielen "wunderbaren" Hügeln gelaufen und die Musik war so anheizend, dass das Ganze auch nicht ganz langsam war ;) Hätte ich natürlich so in dieser Form nicht gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass ich am nächsten Tag einen 10 Km Lauf ernsthaft bestreiten würde.  Und hätte ich gewusst, dass der Nachtlauf eine ganz neue mentale Herausforderung darstellt, dann wäre ich da vorher warscheinlich noch ganz anders herangegangen.

 

HERAUSFORDERUNG NACHTLAUF
Das positive vorweg: Ja, es war angenehm kühl, aber auch an diesem Abend hat der Wettergott mal wieder zu tief in Tasche gegriffen (oder so ähnlich). Bereits nach dem  Einlaufen, also kurz vor dem Start schüttete es wie aus Eimern bei geschätzten 15 Grad. Bereits am Start waren wir also bis auf die Haut nass, die Straßen waren durch die Nässe ziemlich glatt und- wie sich später herausstellen sollte- war die Laufstrecke eine echte Herausforderung in der Dunkelheit. Nicht nur, dass es teilweise kaum Straßenlaternen gab, führte die Strecke durch die unbekannte Bremer Innenstadt mit Treppen (!) und zeichnete sich durch viele scharfen Kurven aus. Zugegeben war die Strecke verwirrend und ich war selten so froh wenigstens eine männliche Begleitung bei dem Lauf zu haben. Die ersten schnellen Männer (es waren 5) waren über alle Berge und hinter uns kam weit und breit auch keine Menschenseele.
Auf der ersten Runde machte ich das Tempo und es regnete in störmen. Schon nach der ersten Runde ging es mir zwar körperlich zwar noch sehr gut, ich war quasi im Rauschzustand ,  psychisch war ich aber echt fertig. Ein seltenes Phänomen. Der Regen machte mich euphorisch, aber mental war ich erschöpft.  Meine 5km Durchgangszeit betrug 17:55 min, was mir Aufwind gab, da ich dachte, dass wir sehr viel langsamer unterwegs seien( auch wegen der Treppen). Ich habe nie auf meine Uhr die Zeiten gecheckt, da ich es mental anstrengend fand noch zusätzlich zu rechnen. Deshalb bin ich einfach nur gelaufen.
Die zweite Hälfte war etwas angenehmer, denn es hatte aufgehört zu regnen und mein "Mitläufer" hat das Tempo gemacht. Das war fast wie Urlaub! An den Wendepunkten konnte ich erkennen, dass wir einen großen Abstand zu den anderen Läufern hatten und auch die zweite Frau nirgens in Sicht war. So konnte ich ein bisschen entspannter die letzten Kilometer ins Ziel laufen, wo ich doch recht erstaunt über die Zeit gewesen war : 36:21 min !

Letztendlich war die Strecke wohl knapp 200m zu kurz, aber wenn man die ganzen "Hindernisse" bedenkt, dann bin ich mehr als zufrieden. Die Gewinner der Sportscheckläufe bekommen eine Reise zum Gardasee inklusive Unterkunft und Startplatz beim Trentino Halbmarathon im November. Darauf freuen wir uns schon sehr und es ein tolles Ziel für den Herbst!